Heribert Eller, Friedhofstr. 5, 55278 Selzen | heri.eller@t-online.de | fon: 06737/8181 mobil: 0171/7827843
Oxana

Mein nächster Dobermann war wieder eine Hündin, die im wahrsten Sinne des Wortes zu mir kam wie die Jungfrau zum Kinde.

Am 1.8.1997 hatte Jakob Finck seinen O-Wurf. Bis auf zwei Welpen, eine braune und eine schwarze Hündin, waren alle verkauft. Eine der beiden wollte er zur weiteren Zucht behalten. Da aber "überraschenderweise" ein Zwinger zu wenig vorhanden war, stellte sich die Frage: wohin mit der "Zweiten"?

Da ich zu Hause Platz hatte, bot ich mich an, eine der beiden vorübergehend unterzubringen.

Meine Wahl fiel auf Oxana, die braune Hündin. Sie saß damals mit ihren 10 Wochen wie ein Wonneproppen im Zwinger, in einer dicken Packung Hobelspäne, und schaute mich erwartungsvoll an. Es war Liebe auf den ersten Blick. So zog Oxana vom Olymp bei mir zuhause ein.

Meine Merle, die ich zu diesem Zeitpunkt schon zwei Jahre hatte, musterte die "Neue" etwas zögerlich. Sie wurde aber sofort von Oxana "zwangsbeglückt", diese legte sich einfach zu ihr ins Körbchen. Ich hielt die Luft an, aber es ging alles gut und somit hatte ich nun zwei Dobermannhündinnen.

Die beiden verstanden sich auf Anhieb und bis zu Merles Tod gabs nicht einmal eine Disharmonie zwischen den beiden.

Nachdem Oxana dann ein halbes Jahr bei uns wohnte, sollte sie nach Griechenland verkauft werden. Das war natürlich ganz und gar unmöglich, so kaufte ich sie und sie gehörte von nun an mir.

Ich fuhr also nun mit 2 Dobis zweimal die Woche nach Wachenheim zu Jakob zum Training. Hier war klar festzustellen, dass Oxana einen "Schönheitsvater" hatte, ihre Triebanlagen waren bei weitem nicht die, die Merle hatte.

Ende 1998 dann hörte Jakob mit dem Hundesport ganz auf und wandte sich ganz seinem neuen Hobby zu, dem sportlichen Tunier-Kutschenfahren. So mußte ich mir für die beiden einen neuen Platz suchen, den ich in Wöllstein fand.

Dort bildete ich dann Oxana fertig aus und nahm mit beiden erfolgreich an Prüfungen teil.

Nebenbei begann ich, mit Hilfe von Evelin Diefenbach, Oxana für eine Ausstellung zu trainieren. Bisher hatte ich nicht allzuviel vom Ausstellen gehalten, da aber Oxana als besonders schön angesehen wurde, wollte ich es einfach mal versuchen. Am 1. Mai 1999 stellte ich sie in Wiesbaden bei Ottmar Vogel aus. Es wurde auf Anhieb ein Erfolg, V1 und CAC. So begann ihre Ausstellungskarriere, die sie mit 33 mal vorzüglich, 14 mal V1 und 7 mal CAC/CACIB und einmal BOB abschloß. Bedingt durch das Ausstellungsverbot für kupierte Hunde konnte ich den Internationalen Championtitel leider nicht mehr erreichen.

Sie hatte die Titel: Luxemburgischer, DV- und VDH-Champion.

Dennoch absolvierte ich mit ihr auch noch 8 Prüfungen, davon 6 mal SchH 3. Dann begannen ihre Wehwehchen, sie bekam Schmerzen im Halsbereich, was mich bewog, sie aus dem Sport zu nehmen.

Oxana war leider in Bezug auf Krankheiten sehr belastet, es begann mit einem Kreuzbandriß am linken Knie,

9 Monate später dann am anderen Bein. Sie hatte zweimal einen Magendreher, den ich zum Glück immer rechtzeitig erkannte. Sie hatte mit 8 Jahren eine hochgradige Gebärmuttervereiterung mit Total-Op und was das allerschlimmste war, sie erkrankte an DCM.

Als Merle 2005 in Dänemark starb, fuhr ich im Dezember des gleichen Jahres mit ihr und Butzi nach München zur LMU. Dort stellte man schon beim Ultraschall fest, dass ihr Herz nicht mehr richtig arbeitete. Das war der nächste große Schock in diesem Jahr. Die Gewißheit erhielt ich dann nach Auswertung des 24-Stunden-Holters. 2006 bin ich dann vierteljährig nach München gefahren, immer in der Hoffnung, dass die vielen Medikamente eine Besserung herbeiführen würden, leider ein Trugschluß, ihre Werte wurden bei jeder Untersuchung schlechter. 2007 fuhr ich im März wieder nach München, das Resultat waren dann bereits über 11.000 Extrasystolen. Da wußte ich, dass es wohl nicht mehr lange dauern würde. Am 17. Juni dann lag sie abends friedlich in ihrem Körbchen neben Butzi, als sie plötzlich einen lauten Schrei ausstieß und starb.

 

Ich beerdigte sie neben Kira und Merle im Garten. Jetzt hatte ich nur noch einen Dobermann.

 

 


^