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Merle

Nachdem Kira gestorben war, wollte ich keinen Hund mehr aus dem Tierheim, sondern einen Welpen, den ich so ausbilden konnte, wie ich mir das vorstellte.

Dabei versuchte ich, auf jeden Fall einen Hund aus einer Leistungslinie zu bekommen, mit der entsprechenden Veranlagung zum Arbeiten.

 

Meine Wahl fiel auf den damaligen Züchter Jakob Finck mit seinem Zwinger "vom Olymp". Mit meinem ersten Besuch bei ihm eröffnete sich mir eine Welt im Hundesport, wie sie mir bis dahin nicht bekannt war. Im Laufe unserer entstandenen Freundschaft erfuhr und lernte ich Dinge und Ansichten von ihm, die seiner Zeit weit voraus waren. Viele sind mittlerweile exakt so eingetroffen wie von ihm vorausgesehen.

 

Leider konnte Jakob mir meinen Wunsch, nach einem Welpen aus seiner Zucht, nicht direkt erfüllen. Aus der Verbindung, aus der ich meinen Welpen erhalten sollte, fielen lediglich 2 Rüden. Ich wollte aber auf jeden Fall eine Hündin.

Über zwei Ecken erhielt ich dann einen Welpen aus der Zucht "vom Strengbach". Der Vater dieser Welpen war der Rüde "Gregor vom Olymp", der Jakob Finck gehörte und mit dem er erfolgreich arbeitete. Gregor zeichnete sich durch hervoragende Arbeit auf dem Platz und am Mann aus, sodass ich mich für einen dieser Welpen entschied.

Im Dezember 1995 zog  dann eine kleine schwarze Hündin bei mir ein. Ihr regulärer Name war "Fama vom Strengbach", aber ich nannte sie "Merle".

Sie war ein sehr agiler und aufgeweckter Welpe, der sich vor nichts fürchtete. Schon mit wenigen Wochen auf dem Hundeplatz stand Merle auf Jakob´s  Brust , der auf dem Rücken liegend im Gras lag und mit ihr mit dem Lederlappen kämpfte.

Zum damaligen Zeitpunkt war mein Wissen über Hundeausbildung tatsächlich noch sehr begrenzt. Heute muss ich sagen, dass ich damals viel zu viele "Baustellen" eingebaut hatte, die teilweise (Fährte) bis an Merles Lebensende bestehen blieben. Dennoch war es eine wahre Freude, mit ihr Schutzdienst zu machen. Sie erreichte einige Male ein Vorzüglich und einmal sogar 100 Punkte in C. Die Grundlagen hierzu hatte Jakob in zahreichen intensiven Trainingsstunden gelegt.

 

Ich behaupte heute, dass Jakob Finck seinerzeit einer der besten, wenn nicht sogar, der beste Dobermannfigurant Deutschlands war.

 

Im März 2005 begann Merle zu husten. Es besserte sich nicht, sodass ich nach Bad Kreuznach in die Tierklink fuhr, um der Sache auf den Grund zu gehen. Glücklicherweise war dort gerade eine Ärztin im Team, die zuvor an der LMU in München gearbeitet hatte. Sie erkannte sofort die Symptome, machte einen Ultraschall und eröffnete mir die grausame Nachricht, dass Merle höchstens noch 3-4 Monate leben würde. Sie habe DCM im Endstadium.

Diese Diagnose war ein großer Schock für mich. Das ganze Ausmaß dieser Erkrankung war zum damaligen Zeitpunkt so noch gar nicht absehbar und bekannt.

Merle erhielt entsprechende Medikamente, die nach einiger Zeit den Husten beseitigten, und sie nahm wieder aktiv am Rudelleben teil. Von der Erkrankung war scheinbar nichts mehr zu bemerken. An einem Freitag im September fuhren wir dann nach Dänemark in Urlaub. Am nächsten Tag gingen wir am Strand spazieren. Merle, die Wasser über alles liebte und eine exzellente Schwimmerin war, rannte durch die Nordsee und hatte viel Spaß. Nach einer Weile lief sie ein Stück den Strand hoch und legte sich in den Sand. Sie schaute uns noch an, als sie sich plötzlich auf die Seite legte und starb. Das war für Merle bestimmt ein schneller und gnädiger Tod, inmitten ihrer Freunde. Für meine damalige Partnerin und mich jedoch ein Weltuntergang. Wir fuhren am nächsten Tag wieder nach Hause und ich beerdigte sie neben Kira im Garten.

 

 

 

 

 

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